Ölziehen - Entgiftung durch Öl - eine Praxis von Dr. Karach

Die Theorie: Gifte lassen uns zu früh versterben

Sein Ansatz: Jeder Mensch könne älter als 140 werden, aber leider würden wir alle durch die Giftstoffe in unserem Körper am Erreichen dieses biblischen Alters gehindert.

Morgendliche Mundspülung soll entgiften
Zum Glück hatte Dr. Karach bei sibirischen Schamanen eine Methode gefunden, um die lebensverkürzenden Giftstoffe zuverlässig zu beseitigen: Wer jeden Morgen seinen Mund zehn bis fünfzehn Minuten mit einem Esslöffel Sonnenblumenöl spült, wird die Übeltäter los. Nebenbei befreit diese Ölziehkur auch von chronischen Leiden wie Kopfschmerzen, Bronchitis, Lungen- und Leberleiden, Arthrose, Zahnschmerzen, Hautentzündungen, Magengeschwüren oder Herz- und Nierenerkrankungen.

Sonnenblumen pur

Skeptiker zweifeln dran: Auch Amalgam verlässt die Mundhöle
Auch wer glaubt, dass sein Körper durch amalgamhaltige Zahnfüllungen mit Quecksilber überschwemmt ist, kann sich durch die Ölziehkur entgiften. Das schreibt zumindest das Amalgam-Forum auf seiner Internetseite. Seriöse Wissenschaftler sind allerdings skeptisch, ob das funktioniert. „Es ist nicht untersucht, ob Giftstoffe den Körper über die Mundhöhle verlassen können“, betont Professor Thomas Zilker, Leiter der Abteilung Toxikologie am Münchner Universitätsklinikum rechts der Isar.

Öl oder saure Drops: für den Speichefluss geht beides
Zwar gibt es zum Ölziehen keine einzige wissenschaftliche Arbeit, doch zahllose Menschen schwören auf das Verfahren. Es soll die Zahl von grippalen Infekten verringern. „Wenn Sie Öl so lange im Mund bewegen, regt das die Tätigkeit der Speicheldrüsen an. Und Speichel enthält Eiweißkörper, die für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig sind: zum Beispiel Lysozym, das Bakterienhüllen auflöst, oder das Immunglobulin A, das sich an Krankheitskeime aller Art heftet, mit denen der Mensch schon einmal Bekanntschaft gemacht hat“, weiß Professor Jürgen Ußmüller. Der HNO-Arzt leitet die Speichelambulanz der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Eine feuchte Mundschleimhaut ist weniger anfällig für Krankheitserreger. Ob aber das Ölziehen das einzig wahre Mittel zur Abwehrstärkung ist, bezweifelt er: „Saure Drops regen die Speicheldrüsen viel stärker an.“

Parallelen zum Ayurveda: Gifte machen krank
Weniger skeptisch ist Dr. Ernst Schrott. Der Allgemeinarzt aus Regensburg hat sich intensiv mit der indischen Ayurveda-Medizin befasst und behandelt damit auch seine Patienten. „In der Vorstellung der Ayurveda-Medizin wird der Mensch krank, wenn sich ,Ama‘ im Körper anhäuft. Ama meint alle Arten von Giftstoffen, zum Beispiel aus unverdauter Nahrung, Gärungs- und Fäulnisvorgängen im Darm oder Speiseresten in der Mundhöhle. Sie bilden unter anderem die Grundlage für das Wachsen krank machender Bakterien, Pilze und Viren oder für Ablagerungen in Zellen und Geweben. Auch unverarbeitete Gefühle, Erfahrungen und negative Emotionen können den Organismus belasten und das geistig-körperliche Milieu vergiften.“ Im Ayurveda dient das Ritual auch der geistigen Reinigung. Um den Körper von Ama zu befreien, kennt Ayurveda eine Reihe reinigender Rituale. Dazu gehört unter anderem ein Verfahren, das dem Ölziehen ähnlich ist. „Allerdings verwendet man dabei gereinigtes Sesamöl und kein Sonnenblumenöl. Sesamöl tötet eine Reihe krank machender Keime. Außerdem bleibt das Öl nur für zwei Minuten im Mund.“

Entgiftung oder eher Reflexzonenmassage?
Darüber hinaus übertreffen nach Schrotts Meinung die mechanischen Wirkungen des Ölziehens die angebliche allgemein entgiftende Wirkung: „Das intensive Hin- und Herbewegen regt Reflexzonen der Mundhöhle an.“ Im Rachen sitzen Lymphknoten, die auch nach der Vorstellung der Schulmedizin eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Infekten spielen. Durch die mechanische Anregung beim Spülen werde der Stoffwechsel dieses Lymphgewebes angekurbelt, meint Schrott.

Achtung: Bei akuter Vergiftung kann Öl schaden
Weil das Ölziehen keine unerwünschten Wirkungen hat, kann jeder versuchen, ob er seiner Abwehr damit auf die Sprünge hilft. Zum Entgiften scheint es jedoch nicht zu taugen. Bei einer echten akuten Vergiftung kann Öl sogar schaden, warnt Toxikologe Zilker: „Früher wurde Paraffinöl gegeben, um fettlösliche Giftstoffe zu binden. Heute macht man das nicht mehr. Denn in Einzelfällen hat das Paraffin die Aufnahme von Giften sogar gefördert, und es besteht die Gefahr, dass das Paraffin mit dem gelösten Gift über die Lunge eingeatmet wird.“

Quelle: Apotheken Umschau

1 Kommentar:

  1. Ich frage mich bei solchen Methoden, ob die Wirkung nicht eher durch den Placeboeffekt zustande kommt.

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